Freier Deutscher Autorenverband Berlin e.V.
Freier Deutscher Autorenverband Berlin e.V.

Lesung des FDA-Literaturpreisträgers Alain Claude Sulzer


von Inge Beer (Text und Fotos)

 

Brechend voll war das Mendelssohn-Haus bei unserem Eintreffen, und obwohl bereits zusätzliche Stühle in den Musiksalon gestellt worden waren, reichten sie bei weitem nicht aus. Viele Gäste mussten sich die Lesung von Alain Claude Sulzer im Stehen anhören.

 

Sie bildete den Auftakt zur FDA-Literaturpreis-Verleihung am darauffolgenden Tag. Bevor Sulzer allerdings Passagen aus seinem Buch „Aus den Fugen“ vorlesen konnte, wurde die Pianistin Eva Sperl vorgestellt und erfreute die Zuhörer mit „Liedern ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

 

Danach kam Dietrich Garstka zu Wort, unser Kollege aus dem FDA-Autorenrat. Er stellte nicht nur den Autor vor, sondern ging auch sehr ausführlich auf dessen jüngstes Buch ein. Es war unverkennbar, dass er sich intensiv damit auseinandergesetzt hatte, denn er beschränkte sich nicht nur auf die Wiedergabe des Inhaltes, sondern gab auch eine Interpretation dazu. Die Ausführungen erinnerten in ihrer Intensität daher mehr an eine Rezension als an eine kurze Inhaltsangabe, die Spannung erzeugen soll.

Entsprechend kurz fasste sich daher FDA-Vizepräsident Franz Westner bei der Überleitung, um dem Autor schließlich endlich die Gelegenheit zum Lesen zu geben. Protagonist des Buches ist ein berühmter Pianist, der mitten im Spiel von Beethovens „Hammerklaviersonate“ den Flügel mit den Worten „Das war’s dann“ zuklappt, von der Bühne verschwindet und ein Bier trinken geht. Damit ist allerdings nicht das Ende des Buches erreicht, sondern hier geht es erst richtig los.

 

Beschrieben werden die Reaktionen der einzelnen Zuhörer, die teilweise in der Schickeria zu Hause sind und über alles erhaben scheinen. Ihre Lebensumstände, ihre Schwächen und ihre Ängste werden sichtbar gemacht, nachdem die Maske der heilen Welt verschwunden ist. Ein zeitkritisches Sittengemälde, das dem Leser vor Augen führt, wie brüchig die scheinbar heile Welt eigentlich ist. Logisch, dass Eva Sperl im Anschluss an die Lesung die „Hammerklaviersonate“ spielte.

Nach der Pause nutzten die Zuhörer ausgiebig die Gelegenheit zur Diskussion. Hier entstand unter anderem die Frage, ob das im Buch thematisierte Mehr-Schein-als-Sein-Verhalten überwiegend in der Mittelschicht zu finden sei, wie von Dietrich Garstka in den Raum gestellt, oder in der Oberschicht, wie eine Zuhörerin meinte. Nach einer heftigen Diskussion darüber stand fest, dass wohl außerhalb der Lesung zunächst einmal die Frage geklärt werden müsse, wo die Mittelschicht aufhört und die Oberschicht anfängt. Interessant dabei war für mich die Mimik des Autors, der auf Nachfragen erklärte, dass er seine Protagonisten nicht präzise in Schichten festgeschrieben hat.

 

Den Abschluss bildete ein weiteres Klavierstück, bevor nach fast zweieinhalb Stunden eine höchst interessante Veranstaltung zu Ende ging, die in mir den Entschluss reifen ließ, „Aus den Fugen“ so bald wie möglich selbst zu lesen – und mir deutlich machte, dass die Verleihung des FDA-Literaturpreises an Alain Claude Sulzer eine sehr gute Entscheidung war.

Hier finden Sie weitere ausführliche Informationen zur Leipziger Buchmesse 2014:

Neuer Vorstand gewählt

Auf seiner Mitgliederversammlung am 6. Mai 2017 hat der Freie Deutsche Autorenverband Berlin e.V. (FDA) Jordan T. A. Wegberg zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt. Wegberg (Mitte) ist freier Autor, Übersetzer und Literaturdozent und trat dem Verband 2009 bei, 2013 wurde er stellvertretender Vorsitzender.

 

Ebenfalls zum neuen Vorstand gehören die freie Autorin Astrid Müller (stellvertretende Vorsitzende, links) und die Medienproduzentin und Publizistin Katja Mischke (Schatzmeisterin, rechts). Wegberg zu seiner Wahl: „Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dem neuen Vorstand sowie den drei Beisitzern den FDA noch stärker mit der Berliner Literaturszene zu vernetzen und die Anliegen von Autorinnen und Autoren voranzutreiben.“

 

Seit 1985 vertritt der Berliner Verein die Interessen von Schreibenden, unter anderem durch Lesungen, Kongresse, Workshops, Fachvorträge und Anthologien. Er unterstützt Autoren bei der Veröffentlichung ihrer Werke und berät sie bei der Suche nach einem geeigneten Verlag.

 

Im vierwöchigen Turnus treffen sich die rund sechzig Berliner Mitglieder zu Vereinssitzungen. Zusätzlich bietet der Verband eine monatliche Textwerkstatt an. Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit stehen die Literatur und der Prozess des Schreibens. In den Verein werden Autor(inn)en aufgenommen, die ihre schriftstellerischen Qualitäten bei einer Antrittslesung unter Beweis stellen. 

Autorenkongress Birkenwerder 2017

Oliver Guntner vom FDA Thüringen hat einen ausführlichen Bericht über unseren Autorenkongress 2017 verfasst und mit Fotos zu einer lebendigen Erinnerung ergänzt. Herzlichen Dank dafür! 

FDA - der Film!

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